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Der Prophet im eigenen Lande….


Man reibt sich die Augen und glaubt es kaum. Humboldt ist wieder im Kommen!

Aber nicht in seinen Stammlanden, sondern in China!!!

Trotz so mancher politischer Irritationen entwickelt sich der internationale Kulturaustausch kontinuierlich weiter. Insbesondere in den Wissenschaftsbeziehungen treten westliche Länder miteinander sogar in Konkurrenz. Es gilt nämlich, sich strategisch geschickt zu positionieren, um von der rasant verlaufenden chinesischen Bildungsexpansion zu partizipieren.

Unter den deutschen Universitäten gehört die Freie Universität in Berlin zweifellos zu denjenigen Hochschulen, die die Zeichen der Zeit besonders gut erkannt haben. Die FU entwickelt sich daher seit Jahren zu einer „Internationalen Netzwerkuniversität“. Dazu gehören Verbindungsbüros in aller Welt, so auch in China.

Ähnliche Strategien entwickelt die Universität New York mit dem Titel „Global Network University“. Das heißt: die Universitäten stehen im globalen Wettbewerb um die besten Köpfe! In Shanghai etablieren. die Amerikaner ein „Liberal Arts Curriculum“!

Da fallen einem alten Europäer doch die „artes septem liberales“ ein! Das kennen wir doch irgendwo her! Eine breit angelegte Persönlichkeitsentwicklung ist hier Programm.

Ja! Richtig! Hier hören wir Humboldt und sein Bildungskonzept.

Mehr als 25 Millionen Chinesen studieren zur Zeit. Den Chinesischen Politikern geht es aber nicht nur um Quantität, sondern noch mehr um Qualität. Tongshi jiaoyu wird als wichtigstes Kernelement des Studiums gesehen. Und dies heißt ins Deutsche übersetzt:

Studium generale


Während in Deutschland das studium generale aus den Studienverpflichtungen herausgenommen wurde, dominiert seit Jahren eine einseitig fachliche Spezialisierung . Überfachliche Bildung beschränkt sich auf Berufsvorbereitungskurse. Das ist alles Ausbildung, aber keine Bildung!

In China findet gerade eine Entwicklung statt, die man mit Recht als internationale Adaption von Humboldt nennen darf. Nämlich eine Synthese von seinem Bildungsverständnis mit dem anglo-amerikanischen Ansatz von Persönlichkeitsbildung.

Auslandschinesen bauen gerade mit der Yale University in Singapur ein „liberal arts college“ auf.

Wo sind da die deutschen Universitäten? Muss uns die Welt erst wieder zeigen, was Bildung bedeutet? Wo sind neue Humboldts?
©cg



Rosenbergs Raubzüge

Für die Provenienzforschung, die nach dem Verbleib von Kunstwerken forscht, die von den Nazis europaweit und systematisch vom "Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg" aus jüdischen Haushalten und Sammlungen geraubt worden sind, ist der 19.10.2010 ein wichtiges Datum.

Seit dem heutigen Tage ist im Internet die Datenbank frei zugänglich, in der über 20 000 während der deutschen Besatzung allein in Belgien und Frankreich geraubte Kunstwerke zu besichtigen sind.

In Zusammenarbeit mit dem Bundesarchiv in Koblenz und Archiven in Belgien und Frankreich wurde das Portal

www.errproject.org/jeudepaumme

heute eröffnet.

cg

Stand 21.8.
Mathe-Weltverband kommt nach Berlin

Der Weltverband der Mathematik, die "International Mathematical Union (IMU) wird seinen ständigen Hauptsitz in Berlin haben. Das beschloss die IMU-Vollversammlung beim Weltmathematikerkongress im indischen Bangalore. Berlin setzte sich gegen Toronto und Rio de Janeiro durch. Ohnehin hatte sich Berlin mit den Mathematischen Fakultäten der drei Universitäten sowie dem Weiterstrass-Institut für angewandte Analysis und dem Zuse-Institut zu einem weltweit bedeutenden Standort der deutschen Mathematik entwickelt. Der zukünftige Hauptsitz des Weltverbandes wird am Gendarmenmarkt entstehen.

cg

Es stand in „TU intern“ Ausgabe Juli 2010

Der große „Blow out“



Der Erdölgeologe Prof. Wilhelm Dominik ist Leiter des Fachgebietes Explorationsgeologie an der TU Berlin (und unser Corpsbruder). Er beschäftigt sich mit der Aufsuchung und Bewertung von Öl- und Gaslagerstätten, der Reservoirgeologie und dem Reservoir Engineering. Er erklärt in einem Interview, wie es zu der Katastrophe im Golf von Mexiko kommen konnte und was die Wissenschaft zur Lösung beitragen kann.

Hier die gestraffte Fassung ohne die Interviewfragen:

„Bevor man das Menschenversagen der an der Havarie beteiligten Personen untersucht, muß man sich klarmachen, dass zunächst, leider muß man es so sagen, ein Versagen der Politik vorausging. Man hätte das Tiefwasser schon vor zwanzig Jahren nicht für die Exploration freigeben dürfen, ohne eine funktionsfähige Technologie für den Fall einer Havarie eingefordert und entwickelt zu haben. Die Region vor der Küste Louisianas ist bekanntermaßen sehr schwierig zu erschließen. In den Sedimentschichten und den Reservoirhorizonten herrscht ein von der Tiefe abhängiger extremer Überdruck, der sogenannte „geopressure“. Immerhin bohrte man bei einer Wassertiefe von 15oo Metern bis in eine Tiefe von 5500 Metern unter dem Meeresspiegel.

Die Überdrucksituation kommt in allen Schelfregionen, also den küstennahen Meeresboden, und den vorgelagerten Kontinentalabhängen der Welt vor. Es war den Beteiligten also von Anfang an bekannt, dass es sich um eine sehr kritische Bohrung handelt. Ich habe solche Bohrungen in die „over-pressure“ Zone im Golf von Mexiko in den 80er Jahren als Trainee selbst mitgemacht. Allerdings nur auf dem Schelf, bei einer zur damaligen Zeit erreichbaren Wassertiefe von maximal 300 Metern.

Man muß weiterhin bei der Problematik unterscheiden zwischen Bohr- und Produktionstechnik und Havarietechnik. Die Explorations- und Produktionstechnologien sind längst optimal entwickelt, mit einer Sicherheitswahrscheinlichkeit von mehr als 90 %. Doch jedes Bohrloch hat seine Eigenheiten, insbesondere unter den angesprochenen Überdruckverhältnissen und Wassertiefen. Pannen und Havarien sind niemals gänzlich auszuschließen.

Bisher wurde jedoch versäumt, die Havarietechnologie, die Onshore und im Flachwasser eingesetzt wird, auf den Schadensfall im Tiefwasser der Ozeane anzupassen und zu ergänzen. Diese Technik- und Methodenentwicklung muß BP jetzt unter einem immensen Zeitdruck nachholen.

Im Oktober 2009 wurde mit der Bohrung begonnen. Unter großen Schwierigkeiten ist man zunächst nur bis zu einer Tiefe von 4000 Metern vorangekommen, da die Drucke unerwartet groß waren und hohe Spülungsverluste in der Bohrung auftraten. Das ist auch ein erheblicher Kostenfaktor. Die Schwerespülung ist eine Mischung aus Wasser und Tonpartikeln, die im Bohrloch zirkulieren bzw. stehen muß, um die Standfestigkeit des Bohrloches zu gewährleisten und den Gegendruck zu den Fluiden in der Lagestätte zu erzeugen. Hier gab es also schon erhebliche, nicht eingeplante Mehrkosten. Als dann ein Hurrikan dazukam und das Bohrschiff beschädigte, musste die Bohrung abgebrochen werden und konnte erst im Januar 2010 wieder aufgenommen werden. Die neue Bohrung wurde auf 96,2 MIO U$ budgetiert und die ständig steigenden Kosten sollten durch Zeitersparungen wieder ausgeglichen werden. Immerhin kostete die eingesetzte Offshore- Bohranlage „Transocean Deepwater Horizon“ 533 000 U$ pro Tag, sowie durchschnittliche 500 000 U$ für Material und Dienstleistungen pro Tag.
Die neue Bohrung war im Februar 2010 wieder an der bekannten Problemzone bei 4000 Meter angekommen. Mitte April erreichte man endlich das Bohrziel und fand das erhoffte Öl. Doch durch die ständigen Verzögerungen waren die Kosten deutlich aus dem Ruder gelaufen.
Das Bohrschiff hatte längst an anderer Stelle in Betrieb genommen werden sollen. Nach der Fündigkeitserklärung entschloss man sich, die Bohrung für eine temporäre Aussetzung zu komplettieren, damit sie für die spätere Förderung des Öls genutzt werden kann. Das wurde am 16. April bei der zuständigen Behörde beantragt.

Jetzt begann die Katastrophe. Die überaus kritische Bohrung hätte man zurückzementieren und aufgeben, also abschreiben müssen. „plug and abandon“ nennt man das in der Fachsprache. Mit den umfangreichen Ergebnissen der Bohrung hätte man mit Sorgfalt einen Entwicklungsplan für die Produktionsbohrungen zur Förderung des Öls aus der Lagerstätte planen müssen.
In den folgenden vier Tagen wurde die Bohrung abschließend mit geophysikalischen Methoden durchgemessen und für die Komplettierung vorbereitet.
Am 20. April wurden die warnenden Hinweise, dass eine Leckage in der Bohrung im Lagerstättenbereich aufgetreten war, nicht richtig gedeutet. Man hätte hier noch immer einen kontrollierten Notverschluss der Bohrung am Meeresboden vornehmen können.

Stattdessen kämpfte man mehrere Stunden gegen den sich kontinuierlich aufbauenden Druck in der Bohrung an, bis schließlich gegen 21.47 Uhr Öl und Gas aus der Lagerstätte ausbrachen, die Schwerspülung auswarfen und nach 1 ½ Minuten auf dem Bohrschiff austraten, ohne dass der automatische „blow out preventer“ funktionierte. Bereits 15 Sekunden später kam es zur Explosion und die Anlage stand in Flammen. Erst sieben Minuten später wurde das manuelle Notabschaltung betätigt, die einen mechanische Verschluss und das Loslösen des Schiffes von der Bohrung zur Folge gehabt hätten. Aber auch diese Funktion versagte. Das Bohrschiff versank zwei Tage später, nachdem alle Löschversuche gescheitert waren.

BP versuchte unmittelbar nach dem Sinken des Bohrschiffes mit unterschiedlichen Methoden,
Die Bohrung am Meeresboden zu verschließen. Das ist bis heute nicht gelungen. Zum Einsatz kamen die verschiedensten Methoden, die man unmittelbar nach dem Irakkrieg zur Bekämpfung der brennenden Förderanlagen oder zum Einschließen von einigen kleineren Ölaustritten entwickelt hatte.

Ich selbst habe am 9. Mai bei der BP in Houston zwei Vorschläge zum Verschließen der Bohrung eingereicht: Zum einen den Bau einer Kuppel über dem Bohrloch am Meeresboden, um das ausströmende Öl und Gas zusammen mit dem Wasser durch eine Multiphasenpumpe zu evakuieren; zum anderen die gleichzeitige Ausstattung auch der Entlastungsbohrungen, die voraussichtlich im August die Lagerstätten erreicht haben, mit groß dimensionierten Multiphasenpumpen. Das würde einen beschleunigten Druckabfall im Drainagebereich der havarierten Bohrung erzielen. So könnte die Bohrung unter Kontrolle gebracht und verschlossen werden.

Mit diesem Verfahren, dem Einsatz von in Deutschland hergestellten Multiphasenpumpen am Meeresboden, produziert BP heute bereits erfolgreich 78 000 barrel Öl pro Tag aus dem „king field“ im Missisippi Canyon bei einer Wassertiefen von 1800 Metern in nur ca. 40 Kilometer Entfernung von der Havarie.
Ich bin selbst seit 2005 an dem Forschungsverbundvorhaben „MPT- Mehrphasenfördersysteme und –anlagentechnik für Kohlenwasserstoffe in offshore und onshore-Regionen“ beteiligt. Das Vorhaben wird gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie.

In drei bis vier Monaten müsste das Bohrloch am Meeresboden abgedichtet sein. Die gesamte Bohrung bis zur Endtiefe in der Lagerstätte wird BP aber mindestens noch ein Jahr beschäftigen. Die ökologischen Schäden kann man kaum beziffern. Zur Beseitigung der Schäden wird man, gerechnet auf die nächsten 10 Jahre, mehrere zehn Milliarden Dollar aufwenden müssen.“ (Zitat aus TU intern)

cg